RABELSDORF- ECHT FRÄNKISCH

 

 

 

 

 

 

 

Hier lebt die Ökumene

Der Kreis hat zwei Gotteshäuser für beide Konfessionen. Was vor Jahrhunderten aus einem Streit zwischen Katholiken und Protestanten entstand, hat in Rabelsdorf (Gemeinde Pfarrweisach) und Untermerzbach zu einem harmonischen Miteinander geführt. Die beiden Orte im Osten des Landkreises Haßberge eint ein Attribut, das es sonst nur noch 62 Mal in Deutschland gibt. Die Gotteshäuser beider Dörfer sind Simultankirchen, das heißt, sie werden von zwei Konfessionen gemeinsam genutzt. Falsche wäre es, jetzt zu denken, dass in den Haßbergen einsame Vorreiter ökumenischen Zusammenseins leben, wie es das Zweite Vatikanum anstrebte. Simultankirchen entstanden vielmehr durch rechtliche Regelung, zu einer Zeit, als Staat und Kirche noch nicht getrennt waren. In Folge der Reformation und des häufigen Macht- und Besitzwechsels in den Dörfern des heutigen Landkreises gab es allerlei Konfusionen bei der Konfession. Die Simultaneen, wie es die Fachleute nennen, sind Folge davon.

Streit um die Kirche

Nach der Pfarrteilung Ebern-Pfarrweisach 1232 war Rabelsdorf kirchlich bei Pfarrweisach geblieben. Als die bayerische Regierung 1828 die Rabelsdorfer Protestanten per Erlass nach Altenstein um pfarren wollte, gab es Streit. Die evangelische Mehrheit im Dorf und mit ihr der Pfarrer von Altenstein, beanspruchte die Kapelle für sich. Andererseits beharrte die Pfarrei Pfarrweisach auf dem alleinigen Eigentumsrecht. Der Streit zog sich bis ins späte 19. Jahrhundert hin. Erst 1897 erkannte die katholische Kirche die Nutzung durch beide Konfessionen an.
Heute hat dies kaum mehr Bedeutung, denn außer bei Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen finden nur noch selten Gottesdienste in Rabelsdorf statt. Den Sonntagsgottesdienst besuchen die evangelischen Christen in Altenstein, die katholischen in Pfarrweisach. In der Adventszeit allerdings gibt es alljährlich eine ökumenische Feier in Rabelsdorf.

Heute herrscht Harmonie


Ähnlich verhielt es sich in Untermerzbach: Im Jahr 1530 hatte die Familie von Rotenhan die Reformation im Dorf eingeführt, knapp 150 Jahre später kam die Gegenreformation. Doch der Grundherr setzte sich nicht durch. Protestanten und Katholiken lieferten sich heftige Auseinandersetzungen, bis die Kirche ab 1691 offiziell simultan genutzt wurde. Zeichen für die Dissonanzen: zwei Altäre.
Heute wird das Gotteshaus, das übrigens im katholischen Erzbistum Bamberg liegt, von der evangelischen Kirche unterhalten, die Katholiken (sie werden seelsorgerisch von der Pfarrei in Kaltenbrunn betreut) verfügen über ein Nutzungsrecht.

 

Top