RABELSDORF- ECHT FRÄNKISCH

 

 

   

Das schönste Fotomotiv von Rabelsdorf

 

Unbekannte Innschrift

 

Rabelsdorfer Kratzputze

RABELSDORF: Das schönste Fotomotiv von Rabelsdorf ist der Blick über den Dorfweiher. Links steht das Feuerwehrhaus und rechts hinten zwei alte Fachwerkhäuser. Das eine davon ist das so genannte Kettler – Haus. Zunächst freut man sich dort über den Pumpbrunnen für den eigens eine neue Quelle gefasst wurde. Und dann die Giebelseite selber: Auf einen Sockel aus Sandsteinen mit einer einfachen Kellertür, steht ein zweckmäßiger Fachwerkaufbau mit einen Spitzgiebel mit einem nur knapp überstehenden Traufrand. Also typisch fränkisch. Schaut man genauer hin, entdeckt man oben gleich neben dem doppelten Fenster eine Inschrift „AH/1722“. Fast dreihundert Jahre ist das Haus also alt. Gut gebaut, denkt man sich. Und dann nochmals ein Blick auf den Sockel, der halb Keller, halb Erdgeschoß ist. Und da wird man stutzig: Links neben dem Kellereingang ist noch eine Inschrift: “IH 17.86 AD“. Das ist doch nicht möglich: die Grundmauern sind um Jahrzehnte jünger als der der Dachgiebel! Seit wann baut man ein Haus von oben nach unten? Aber die Inschriften sind in Ziffer und Schrift eindeutig zeittypisch. Unten sind sie eingehauenen, oben eingekratzt. Das Rätsel hat für mich Margit Kettler, die Besitzerin gelöst. Sie hat mich auf die Quadersteine hingewiesen. Tatsächlich, die sind hier am linken Eck deutlich sauberer zugehauen als in der übrigen Mauer. Und jetzt ist die Sache klar. Offensichtlich war hier eine Schwachstelle des Baus. Man hat fast sechzig Jahre später links neu unterfangen und neu signiert und uns so ein hübsches Rätsel hinterlassen. Überhaupt scheinen alle Besitzer des Hauses ein erfreulich großes Verständnis für die Geschichte zu haben. Frau Kettler zeigt mir eine Inschrift im Kellereingang. Dort ist links im Gewölbe in schöner Kursivschrift eingemeißelt: „Moni Döhler 1851“. Und die Kettlers selbst haben unter den Dachsparren in ein Brett „ren. 1989“ eingeschnitzt. So etwas wünscht man sich öfter. Das Haus heißt in Rabelsdorf auch das „Winzerhaus „, weil hier eine Familie wohnte die Weinbau betrieb. Der letzte Döhler blieb im Dorf als ein etwas sonderlicher, einsamer Junggeselle in Erinnerung. Das Anwesen haben dann die Großeltern der Familie Kettler gekauft, die heute im modernen Nebenhaus wohnt. Es diente als Austragshaus. Nach dem Krieg lebten hier Flüchtlinge, jetzt steht es leer. Unbeantwortet muss leider die Frage nach der Familie „H“ bleiben. Der Besitzer „I.H.“ war bei der Renovierung 1786 offenbar mit einer „A.D.“ verheiratet. Wir schauen nochmals zum Giebel auf das „A.H.“ Die beiden Buchstaben verweisen vermutlich auf den Vater oder Großvater. Und plötzlich entdecken wir, dass rechts neben dem Doppelfenster noch etwas eingekratzt ist: Eine Art Vase mit fünf Blumen. Und über denen findet sich ein weiteres Monogramm: “CH“. Es sieht aus wie eine Liebeserklärung an die Ehefrau. Und davon gibt es noch eine zweite in Rabelsdorf. In die Gefache der Scheune am Anwesen Schmidt, am Ortsausgang Richtung Junkersdorf und Altenstein, ist eine ganze Fülle von Motiven geschrieben: „ANGS/GL“ und eine Blumenvase finden sich an der Südseite. Genau muss man auch am Giebel der Ostseite hinsehen. Dann aber erkennt man oben einen Korb, ein Widerkreuz und ein Herz mit den Buchstaben „K+H“. Neben den Blumen, die aus ihm wachsen, ist eine Jahreszahl angegeben: 1715“. Sie macht die Scheune zu etwas Besonderem, nicht nur für Rabelsdorf und nicht nur für den Landkreis. Für Professor Konrad Bedal vom Freilichtmuseum Bad Windsheim, einen der besten Fachleute für altes Bauen in Franken, ist dies das älteste Beispiel für einen Kratzputz, das er kennt. Mir scheint, dass es um 1720 hier in Rabelsdorf einen Maurer gab, der seine Freude an Mustern und Inschriften hatte und erst an der Schmidt – Scheune und dann am Kettler – Haus arbeitete. Solche Muster in dem Gefachen kamen in den Hassbergen besonders häufig vor. Die Maurer haben sie mit einem kurzen Stab oder einfach mit der Kelle in den feuchten Putz geschrieben und gezeichnet. Sie sind durchwegs schlicht, ohne besondere Kunstfertigkeit ausgeführt. Manchmal hat man sich beispielsweise nur mit Strichen, Rauten, mit Wellen begnügt um die leere Fläche zwischen den Ständern und Balken zu schmücken. Und jetzt kommt ein Problem: Die Scheune mit diesem ältesten Beispiel für fränkischen Kratzputz droht auf die Straße zu kippen. Wie Landrat Handwerker möchte das Landesamt für Denkmalpflege das Gebäude unbedingt an Ort und Stelle erhalten, weil es die nördliche Einfahrt in das Dorf kennzeichnete und hier einst sicher auch eine gewisse Tor- und Schutzfunktion hatte. In einem Gutachten dazu heißt es: „Ein Abbruch der Scheune wäre … in städtebaulicher und volkskundlich – denkmalpflegerischer Sicht ein kaum wieder gut zu machender Verlust für Rabelsdorf, das als eine der schönsten Ortschaften der Hassberge gerade als Golddorf prämiert worden ist.“ Landrat wie Landesamt haben für beträchtliche Zuschüsse gesorgt, was in unserer Zeit nicht einfach ist. Der doch recht aufwändigen Maßnahme steht jedoch der Wunsch des Besitzers nach einem Abbruch und einem Neubau entgegen. Lange Zeit war auch die Möglichkeit im Gespräch, die Scheune einzulegen und in Bad Windsheim wieder aufzubauen, aber diese Absicht ist wieder aufgegeben worden. Noch ist in dieser Sache keine Entscheidung gefallen. Einstweilen ist die Giebelseite provisorisch abgestützt worden. Ein Fotomotiv ist sie so nicht mehr. Die Schönheit und die Besonderheit stecken hier ohnedies im detail. Aber das wäre – in welcher Form und an welchem Ort auch immer – doch erhaltenswert.

 

Auf der Suche nach dem Schatz

Ein Bauer aus Rabelsdorf gräbt Zeit seines Lebens nach der Goldenen Kutsche. Der Sage nach soll sie auf der Bramburg versteckt sein.

BRAMBERG/RABELSDORF: Es gibt da uns eine Sage, nach der ein Bauer aus Rabelsdorf auf einen Schatz gesucht hat. Er soll einer versunkenen goldenen Kutsche gegraben haben. Noch ein zweiter Bauer und sogar der Förster sollen ihm dabei geholfen haben. Durch sein jahrelanges, ergebnisloses Schürfen und die Vernachlässigung seiner bäuerlichen Arbeit sei er schließlich ein armer Mann geworden. Diese Geschichte habe ich vor mehr als 15 Jahren scheinbar enträtselt: Die Kutsche muss die des Fürstbischofs gewesen sein. Mit ihr fuhr der von seinem Sommersitz Gereuth in den Sonnenuntergang zurück nach Würzburg. Aus der falschen Beobachtung wurde ein Lebensirrtum. Damals schon hat mich Dr. Wolfram Berninger aus Pfarrweisach darauf aufmerksam gemacht, sich die Geschichte tatsächlich ereignet hat und ganz reale Personen dahinter steckten. Ich hab’s notiert und abgelegt. Jetzt aber bin ich auf einen Zeitungsbericht vom 1. September 1951 gestoßen, und nach dem hatte Dr. Berninger Recht! Nun habe ich selbst das Graben angefangen, bin in die Pfarrarchive von Ditterswind und Untermerzbach, in Gemeindearchiv von Pfarrweisach und in das Archiv der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche nach Nürnberg gefahren. Und nun muss man – wie es manchmal heißt- „ die Geschichte neu schreiben. Nach dem 60 Jahre alten Zeitungsbericht hat der Bader und Leichenbeschauer Reichenbecher 1899 in der Brem(b)senwirtschaft von Burgpreppach folgendes erzählt: Dem gut situierten Bauersmann Ruf aus Rabelsdorf träumte es dreimal, dass auf dem Bramberg ein großer Schatz verborgen sei, der von Berggeistern bewacht würde. Mit Hilfe einer Wünschelrute stellet der Bauer den Standort des Schatzes fest und fing an zu graben. Weil er jedoch von dem Forstgehilfen Deßloch bei dieser Arbeit entdeckt wurde und der ihn durch einen Feldjäger festnehmen lassen wollte, holte sich Ruf 1851 vom bayerischen König die offizielle Erlaubnis zum Graben. Jetzt konnte er auch den 17-jährigen Reichenbecher für einen Gulden pro Tag als Helfer anstellen. Vier Jahre lang gruben die beiden übernachteten abwechselnd in Hohnhausen, Bramberg und Bischwind a. R. und verköstigten sich auch dort. Dass sie von Kindern aus Hohnhausen und Bramberg ausgespäht worden waren, fiel ihnen zunächst gar nicht auf. Reichenbecher musste schließlich seine Mithilfe einstellen, da er ins Militärpflichtige Alter gekommen war. „Ruf aber grub weiter bis an sein Lebensende“, heißt es in dem Bericht. „ aus dem Schatz, nach dem gegraben wurde, hatte der Volksmund eine goldene Chaise gemacht.“ Rufs Sohn der sich 1870 beteiligen wollte, wurde das Graben aber von der königlichen Regierung das Graben ebenso verboten wie dem Neumüller Georg Miener, der es 1873 übernehmen wollte. „ Man befürchtete, dass die Leute bei weiterer Genehmigung in ihrem Aberglauben nur bestärkt würden.“ Schatzgräber Reichenbecher, sagt ein nicht veröffentlichter Zusatz, verstarb in Marbach und liegt daselbst beerdigt.“ Soweit - stark verkürzt – der Zeitungsbericht von 1951, der 1984 noch einmal in der Zeitschrift „Die Haßberge“ und auch im „Zeilbergecho“ abgedruckt wurde. In letzterem wurde der Name „Reichenbecher“ versehentlich in „Reichenberger“ abgeändert. Was mir fehlte, waren beispielsweise die Vornamen und die Lebensdaten der Beteiligten sowie die Hintergründe des Ganzen. Nun, nach den verschiedenen Archiv besuchen, weiß ich mehr (siehe unten).Für seine Schatzgräberei auf der Bramburg hatte Ruf einen Nachbarssohn in Dienst genommen. Auf Anwesen Rabelsdorf 21 (heute Reich) wohnten die damals schlecht bemittelten Reichenbecher, die um 1830 aus Weitramsdorf  zugezogen waren und eigentlich Weber waren. Sie sind etwas schwer auseinander zu halten, da sie im 19. Jahrhundert drei Generationen lang den gleichen Vornamen „Nicolaus“ tragen. „Unser“ Reichenbecher, der Ruf geholfen hat und dann 1899 von den Vorgängen erzählt hat, hieß ebenfalls Johann. Nach dem Eintrag im Totenbuch von Ditterswind ist der 1835 in Rabelsdorf geboren worden, übte in Burgpreppach den Beruf eines Bader und Leichenbeschauers aus und ist am 27. Januar 1922 bei seiner Tochter in Marbach an „Altersschwäche“ gestorben. Sein Grab dort ist längst aufgelassen. Bei den Reichenbechers glaubte man zwar nicht an die Berggeister und den Schatz, nahm aber die Verdienstmöglichkeit gerne an, die Nachbar Ruf in seinem Wahn bot. Der eine verrennt sich in eine Idee, der andere nützt das aus. Mit der Schatzgräberei der beiden Rabelsdorfer haben wir ein Beispiel von Sage und Wirklichkeit, von Hirngespinst und Realität. 

Johann Ruf

Der Bauer Ruf, der Zeit seines Lebens vom Schatz auf dem träumte, hieß mit Vornamen Johann. Er war Sohn einer alten Rabelsdorfer Familie 1823 im Anwesen Nr. 22 (heute Welzel) geboren und heiratete 1847 die reiche Bauerstochter Margarethe Schad aus Sulzdorf. Ihr erstes Kind, das den Namen des Vaters trug, starb fünf Tage nach der Geburt. Er Johann Ruf war in Rabelsdorf ein angesehener Mann. Er war 1860 Schriftführer der Gemeindeeinquartierungskommission und wurde 1864 sogar zum Gemeindevorsteher gewählt. Schon viele Jahre vorher muss ihn die Idee vom Schatz auf dem Bramberg gepackt haben. Es gab daneben eheliche Probleme und von 1875 bis 1877 eine lebenslustige Magd am Hof. Als die aber heiratete, muss Ruf den Boden unter den Füßen verloren haben. Er zog zu einer befreundeten Familie nach Memmelsdorf und dort hat er am 16. Februar 1904seinem Leben selbst ein Ende gesetzt. „Kirchliche Beerdigung versagt. Vom Pfarrer wurde ein Gebet am Grab gesprochen“, heißt es in der Matrikel.

 

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